Wie kann man Gruppenarbeiten mit digitalen Tools und Diensten organisieren? Und auch Geräte wie Tablets oder Smartphones hierfür mitnutzen? Diese Artikelreihe soll mehrere Möglichkeiten aufzeigen. Den Auftakt mache ich mit dem Online-Dienst Mendeley, welcher mehrere Programme und Apps für Desktop- als auch für Mobilgeräte wie Smartphones oder Tablets anbietet. Lohnt sich Mendeley für den Einsatz bei der gemeinsamen Literaturrecherche und Kommentierung? Welche Vor- und Nachteile gibt es?

Der Online-Dienst Mendeley verbindet grundlegend zwei Funktionen: Zum einen ist es ein Forscher*innen-Netzwerk und eine soziale Plattform. Zum zweiten ist Mendeley ein Literaturverwaltungs- und Notizprogramm für wissenschaftliche Texte.

Eine Einführung in Mendeley findet ihr in diesem Video – gezeigt werden die Desktop-Version unter Mac OSX und Windows sowie die Mendeley-App für Android (Wer Mendeley schon kennt, kann die Einführung im Video überspringen).
Im Video wird auch die private Gruppenfunktion unter die Lupe genommen, welche sich für Hausarbeiten eignet – warum genau, seht ihr im Video:

Vorteile

  • Gemeinsames Hinzufügen von PDF-Dateien möglich, die sofort mit den korrekten Angaben wie Autor, Jahr, Verlag erfasst werden können
  • Kommentare (Annotationen) und Hervorhebungen werden unabhängig von der PDF-Datei gespeichert, d.h. es können keine Konflikte wie bei Dropbox auftreten, wenn zwei oder mehr Personen gleichzeitig ein Dokument kommentieren
  • PDFs können mit Anmerkungen für externe Personen verschickt werden
  • Mendeley ist sowohl als Webseite, Desktop-Programm (Windows, Mac, Linux) sowie auch für Android- und iOS-Tablets und Smartphones als App verfügbar. Volltext-PDF-Dateien können mit mehreren Geräten synchronisiert und auf diesen gelesen werden.
  • Öffentliche Gruppen sind ebenfalls möglich, falls es nur darum geht Rechercheergebnisse gemeinsam zu sammeln (siehe Gruppentypen im Video)

Nachteile

  • Maximal 5 Gruppenmitglieder in der kostenfreien Variante
  • Kommentare an Textstellen können von anderen Gruppenmitgliedern nur gelesen, nicht aber beantwortet oder diskutiert werden
  • keine automatische Synchronisierung – also auch keine gleichzeitige Live-Kommentierung möglich
  • „Sync“-Button sollte regelmäßig gedrückt werden, damit alle auf dem laufenden Stand an Kommentaren bleiben

Kosten und Speicherplatz

Mendeley bietet in der kostenfreien Variante 2 GB Speicherplatz für den eigenen Account und maximal 500 MB für Dokumente an, welche mit anderen geteilt werden. Für kleinere Hausarbeitsprojekte sollte das eigentlich reichen, kommt aber natürlich auf die Größe der PDF-Dateien an. Der Speicherplatz kann kostenpflichtig erhöht werden.
Obwohl auf der Mendeley-Webseite vermerkt ist, dass nur eine private Gruppe angelegt werden kann in der kostenfreien Variante, konnte ich im Praxistest mehrere Gruppen anlegen.

Hintergrund: Gründer und Kauf von Elsevier

Mendeley wurde u.a. von zwei deutschen Wissenschaftlern nach Abschluss ihres Studiums im Jahr 2008 gegründet. Inspiration war der Musikdienst lastfm. Das StartUp wurde 2013 vom großen und mächtigen Wissenschaftsverlag Elsevier gekauft, was damals für einige Aufregung sorgte (Interview mit einem Gründer nach dem Verkauf bzw. Exit).

Fazit

Die Gruppenfunktion in Mendeley ist ordentlich und solide umgesetzt – mehr aber auch nicht. Da auf Kommentare in Dokumenten keine direkte Antwort gegeben werden kann, bietet es sich eher für die erste Durchsicht von Texten an. Tiefergehende Diskussionen zu bestimmten Textstellen sind so wohl nur schwer bzw. sehr umständlich zu bewerkstelligen.
Nichtsdestotrotz bietet Mendeley die große Chance, dass gefundene Literatur direkt mit ordentlichen Quellenangaben für und von allen Gruppenmitglieder hinterlegt werden kann und jedem die dazugehörige PDF-Datei ebenfalls sofort zur Verfügung steht – und das zudem noch auf verschiedenen Geräten und verschiedenen Betriebssystemen.

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