Programmierer*innen sind meist sehr findige Menschen – zumindest wenn es darum geht, lästige und sich wiederholende Aufgaben zu vermeiden. Lieber programmieren sie dann ein kleines Programm (Skript) als dass sie ein und dieselbe Aufgabe mehrmals erledigen (undenkbar für Programmierer*innen!). Im Internet kursieren nun die Skripte eines Programmierers, welche seine ehemalige Firma nach seinem Arbeitsplatzwechsel entdeckte. Der Programmierer regelte mit den Skripten die Kommunikation mit Chefs sowie bestimmten Kunden automatisch und optimierte sogar seinen Gang zur Kaffeemaschine mit einem Skript. Was können Studierende davon lernen?

Angeblich soll Bill Gates mal gesagt haben, dass er lieber eine faule Person für einen schwierigen Job auswählen würde, weil eine faule Person einen einfachen Weg finden würde, um den Job zu erledigen

I will always choose a lazy person to do a difficult job because a lazy person will find an easy way to do it.

Auch wenn das Zitat wohl auf Sir Frank Gilbreth zurückgeht (Hintergrund bei Quote Investigator), steckt dahinter ein spannender Gedanke, der sich bei einigen Personen zu bestätigen scheint.

(Wer die Geschichte schon kennt, kann direkt unten bei den Ideen weiterlesen.)

Die folgenden Programme bzw. Skripte stammen (angeblich) von einem Ex-Mitarbeiter einer russischen Firma, der sich mit seiner Arbeitsweise in diesem Zitat wiederfinden könnte. Die Skripte wurden entdeckt, nachdem der Programmierer das Unternehmen verlassen hatte. Die Skripte waren so eingestellt, dass sie zu vordefinierten Tageszeiten automatisch im Hintergrund gestartet wurden.
Einer der Kollege, der die Skripte entdeckte, beschrieb seinen ehemaligen Programmierer-Kollegen wie folgt:

If something – anything – requires more than 90 seconds of his time, he writes a script to automate that.

Die Skripte: Von Partner*in, Chef, Kunde bis zur Kaffeemaschine – alles automatisch!

Das erste Skript trug den provokaten Titel eines Prodigy-Klassikers (smack-my-bitch-up.sh) und prüfte automatisch von Montag bis Freitag um 21:20 Uhr, ob der Programmierer noch nach 21 Uhr auf dem Firmenserver angemeldet war. Falls dies zutraf, wählte das Skript eine zufällige Ausrede aus einer vorher angelegten Ausredenliste aus und schickte diese per SMS automatisch an eine vordefinierte Nummer, um diejenigen oder derjenigen wissen zu lassen, dass es an diesem Tag später wird.

Ein weiteres Skript durchsuchte alle 10 Minuten den E-Mailposteingang nach Mails, die von einem Kunden namens Kumar stammten, welcher wohl nicht zu den Lieblingskunden des Programmiers zählte. Sobald das Skript mit dem Titel kumar-ass****.sh einen Treffer fand und in der Mail außerdem noch spezielle Wörter wie „help“, „trouble“ oder „sorry“ auftauchten, wurde der Server des Kunden automatisch auf die zuletzt gemachte Datensicherung zurückgesetzt. Danach bekam der Kunde automatisch eine Mail mit dem Inhalt: „no worries mate, be careful next time“. Somit wurden alle aktuellen Änderungen auf dem Kundenserver gelöscht, d.h. es handelte sich nicht um die qualitativ beste Lösung – aber der Server funktionierte wieder, der Kunde war vermutlich zufrieden und das Problem war (vorerst) gelöst.

Für nachaktive Studierende am spannendsten ist wohl das Skript hangover.shDieses verschickte automatische E-Mails, wenn sich der Programmierer bis 8:45 Uhr noch nicht auf dem Firmenserver angemeldet hatte. Auch hier wurde eine zufällige ausgewählte Entschuldigung wie „ich fühle mich nicht gut“ oder „ich arbeite heute von zuhause“ für die E-Mail automatisch ausgewählt.

Display einer Kaffeemaschine mit der Statusmeldung "Brewing"

Kaffemaschine per Skript starten? Foto Brewing von walknboston, Lizenz: CC BY 2.0

Eine weitere große Leistung ist das Skript fuckingcoffee.shDa die Kaffeemaschine des Unternehmens bereits eine Netzwerkschnittstelle besaß (Hallo, internet of things), konnte der Programmierer mit Ausführung des Skripts die Kaffeemaschine dazu bringen, eine Tasse Kaffee für ihn einzufüllen – und zwar genau nach 24 Sekunden. Dies war wohl exakt die Zeit, welche vom Schreibtisch des Programmierers bis zur Kaffeemaschine benötigt wurde.

Die Skripte können auf github eingesehen werden: Hacker Scripts

Skripte, um den Studialltag zu automatisieren?

Was können Studierende von diesem Beispiel lernen? Hier einige Ideen für Skripte, die den Studienalltag erleichtern könnten und nervige Aufgaben automatisch übernehmen – vorausgesetzt man organisiert den Studienalltag mit Hilfsmitteln wie einem Online-Kalender, Cloud-Speicherdiensten und weiteren digitalen Werkzeugen (Falls sich findige Programmierer*innen unter den Leser*innen befinden, gerne umsetzen! ;)):

SOS-pruefung-naht.sh

EIn großer roter SOS Knopf an einer Wand

Foto SOS von Paul Downey, Lizenz: CC BY 2.0

Das Skript prüft automatisch im privaten Online-Kalender, ob in der nächsten Woche eine Prüfung ansteht. Falls dies der Fall ist, wird automatisch eine Nachricht in die jeweilige Facebook- oder WhatsApp-Gruppe der Vorlesung oder des Seminars gepostet mit der Frage, ob jemand die Klausuraufgaben aus den letzten Jahren schon hat. Weiterhin kriegen ausgewählte Familienmitglieder automatisch eine E-Mail, dass man jetzt ganz schlecht erreichbar sein wird in den nächsten Tagen, aber an sich alles super läuft, man sich gut ernährt, sehr viel Sport treibt und auf jeden Fall ganz bald wieder anruft oder vorbeikommt.

handout-verschicken-lastminute.sh

Handouts bei Seminarvorträgen werden ab und zu ja auf die letzte Minute wild zusammenkopiert, wenn der Zeitplan für die Vortragsvorbereitung nicht ganz so funktioniert hat wie geplant. Das Skript handout-verschicken-lastminute.sh prüft den Kalender und schaut am Abend vor der Präsentation, ob schon ein Handout verschickt wurde. Falls nicht, werden automatisch aus der Powerpoint-Präsentation die relevanten Bestandteile wie Gliederung und Fazit in ein Dokument kopiert. Dieses wird dann mit einer zufällig gewählten Ausrede für die Verspätung an die Mitstudierenden verschickt.

nachspielzeit-hausarbeit.sh

Findet das Skript einen Hausarbeiten-Abgabetermine, der in zwei Wochen stattfindet, wird automatisch eine Mail an den oder die Dozierende geschickt, in welcher um eine kleine Verlängerung für die Abgabe gebeten wird. Eine zufällig ausgewählte Ausrede wird ebenfalls angehängt, z.B. „ich habe mich so in die Texte vertieft, dass ich die Zeit ganz aus den Augen verloren habe“.

get-all-the-papers.sh

Statusfenster eines Downloads

Foto: Download file von Christiaan Colen, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Das Skript sucht automatisch vier Wochen vor einer Präsentation oder Hausarbeit nach Quellen für das Thema bzw. die Begriffe, welche im Kalender für den Termin hinterlegt wurden. Das Skript durchsucht die ersten 10 Google-Suchergebnisseiten bzw. Google Scholar, Researchgate sowie weitere Quellen wie die Suche der Uni/Hochschulbibliothek und SpringerLink, die nur über das hochschuleigene VPN-Netz abrufbar sind. Hierbei werden verfügbare PDFs automatisch in einen Dropbox*-Ordner geladen und in ein Literaturverwaltungsprogramm wie Mendeley eingespielt. Danach geht eine Mail mit den Rechercheergebnissen an die Vortragsgruppe raus mit der Info, dass man schon mal mit der Recherche angefangen hat.

get-all-the-lms-files-and-avoid-surveillance.sh

Da Dozierende wohl an einigen Hochschulen im Lernmanagementsystem (LMS) sehen können, wer sich wann eingeloggt hat bzw. wer welche Dateien heruntergeladen hat, loggt sich dieses Skript jeden Tag automatisch im LMS ein und lädt aktuelle Dateien in die Dropbox herunter. Somit ergibt sich die Win-Win-Situation, dass die Dateien im Cloudspeicher immer aktuell sind und die Dozierenden beruhigt sind.

check-my-credits.sh

Um die Familie über Studienerfolge auf dem Laufenden zu halten, checkt das Skript jeden Tag das Prüfungsportal der Hochschule. Falls neue Credit Points eingetragen wurden, geht eine E-Mail an ausgewählte Familienmitglieder, in welcher vom Erfolg berichtet wird und die Hoffnung am Leben gehalten wird, dass das Studium bald ein Ende findet.
Für Credit Points, die schon länger auf sich warten lassen, verschickt das Skript freundlich formulierte Erinnerungs-Mails an Dozierende sowie das Prüfungsamt.

hilferuf-bib-limo-bier.sh

Langer Tag in der Bib? Das Skript prüft automatisch jeden Abend ab 19 Uhr, ob man sich noch im VPN-Netz der Uni oder Hochschule befindet. Sollte dies zutreffen, geht automatisch eine WhatsApp-Nachricht an die Freundesgruppe mit der Aussage, dass man gleich dringend ein Getränk am Späti braucht, weil man sonst durchdreht.

grosser-mensa-hunger.sh und weitere Ideen?

Hochschule sind leider noch nicht ganz so vernetzte Orte, um weitere Aktivitäten zu automatisieren. Ohne zum Hacker oder zur Hackerin zu werden und illegal in die Hochschulrechner einzudringen, werden sich Mensa-Besuche, Kaffee-Bedürfnisse oder der Besuch beim Drucker/Scanner in der Bibliothek so schnell nicht automatisiert optimieren lassen.

Oder habt ihr noch weitere Ideen, die vielleicht sogar jetzt schon umsetzbar sind? Und welche alltäglichen Aufgaben würdet ihr sehr gerne automatisieren, um Zeit für andere Dinge zu haben? Lasst uns Ideen in den Kommentaren sammeln!

* Als Alternative zu Dropbox gibt es Anbieter wie Spideroak, welche mehr Wert auf Privatsphäre der Kunden legen. In NRW können Studierende die Campuscloud Sciebo kostenfrei nutzen, welche ihre Server an deutschen Standorten hat.

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